Das Naturprodukt Filz, in der Regel aus Wolle, gehört zu den ältesten Textilien der Menschheit. Archäologische Funde lassen sich bis in die Jungsteinzeit vor 5.000 Jahren zurückdatieren. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Kulturtechnik des Filzens schon vor 10.000 Jahren bekannt war. Funde, die diese Annahme belegen könnten, sind jedoch nicht zu erwarten, da das Material sehr gut kompostierbar ist.
Es gibt zwei Herstellungsverfahren, das Nassfilzen und das Trockenfilzen.
Beim Nassfilzen werden die gereinigten Fasern – traditionell handelt es sich um Wolle, in der Industrie werden aber auch andere tierische, pflanzliche und auch synthetische Fasern eingesetzt – auf einer ebenen Fläche angeordnet, mit Seifenlauge angefeuchtet und mechanisch bearbeitet. Die Reibung bewirkt, dass sich die Schuppen der Faseroberflächen abspreizen und fest ineinander verhaken. Auf diese Weise entsteht ein sehr festes, dichtes Material. Der Filz kann in dieser Phase auch in eine bestimmte Form gebracht werden, zum Beispiel für die Herstellung von Hüten oder Hausschuhen aus einem Stück. In der Industrie werden all diese Arbeitsschritte maschinell durchgeführt. Aber auch das Handwerk des Filzens gewinnt als Hobby immer mehr an Beliebtheit.
Beim Trockenfilzen werden die trockenen Fasern, ähnlich wie beim Nassfilzen, auf einer ebenen Fläche ausgebreitet. Der Verfilzungseffekt wird erzielt, indem Nadeln mit kleinen Widerhaken immer wieder in das Material eingestochen werden.
Filz ist ein sehr elastisches, dehnbares und gut formbares Material. Er kann ein vielfaches seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ist also sehr saugfähig und lässt sich auch gut färben. Darüber hinaus hat er hervorragende isolierende und dämmende Eigenschaften und ist schwer entflammbar. Selbst einer offenen Flamme ausgesetzt, brennt er nicht, sondern verkohlt ab 250 bis 300 Grad Celsius.
Durch diese Eigenschaften ist Filz für eine Vielzahl von Einsatzzwecken in Industrie, Haushalt, Kunsthandwerk und Mode prädestiniert. Er wird als Dämmstoff in Musikinstrumenten, etwa bei den Hämmerchen in Klavieren und bei Xylophonen, in Fahrzeugen, Maschinen und in der Bauindustrie eingesetzt. Dies mindert nicht nur die Geräuschentwicklung, sondern schützt auch die Bauteile vor starker Abnutzung. Besonders im Maschinen- und Fahrzeugbau wird Filz für Filter und für Dichtungen verwendet. Im Bau kommen beispielsweise Isoliermatten zur Schall- und Wärmedämmung unter Bodenbelägen zum Einsatz.
Bei Mode und Bekleidung reicht das Einsatzgebiet vom Hut bis hin zu wärmenden Schuheinlagen, aber auch zu Jacken und Mänteln wird Filz verarbeitet. Beliebtes Modeaccessoire sind Filztaschen, die es in allen denkbaren Farben, Formen und Größen gibt.

Im Wohnbereich gibt es für Filz viele Einsatzmöglichkeiten, von Filzgleitern an Stuhlbeinen bis hin zum Schmuckkästchen mit schonender Filzauskleidung. Viele verwenden ihn als Bastel- und Handarbeitsmaterial; so entstehen Wandbehänge, Teppiche und andere Dekoartikel für die Wohnung.